Verfasst am:
Do 12 Feb, 2009 18:05 Titel: USA - Finanzieller und intellektueller Bankrott
USA - Finanzieller und intellektueller Bankrott
Siebenhundert Milliarden Dollar schwer ist das Paket, das US-Finanzminister Henry Paulson und der amerikanische Kongress kürzlich zwecks Ankaufs illiquider Bank-Aktiva geschnürt haben. Um sagenhafte siebenhundert Milliarden ist auch die amerikanische Staatsschuld (per 20. Oktober 2008) innerhalb weniger Wochen gestiegen.
Zur Veranschaulichung: siebenhundert Milliarden Dollar ergeben - in Hundert-Dollar-Scheinen aufeinandergelegt - einen Turm von 762 Kilometern Höhe. Der Babylonische Turm war ein Mückenschiss dagegen. Die Europäer haben bislang mit sog. «Liquiditätshilfen» von rund Tausend Milliarden Euro reagiert. Eine «stratosphärische» Dimension. Doch das alles ist nichts gegen das Volumen der in der Finanzwelt zirkulierenden Derivate. Diese haben mit sechshunderttausend Milliarden Dollar den zwölffachen Umfang des Weltsozialprodukts (von fünfzigtausend Milliarden US-Dollar) angenommen.
Auf die globale Maximalverschuldung in einem in der Weltgeschichte niemals gekannten Ausmass reagieren die Staatslenker und Zentralbanken der Erde mit neuen Schulden astronomischen Umfangs. Das Liquiditätsproblem wird damit zwar gemildert, aber das Grundproblem, die Gigaverschuldung, wird verschlimmert. Die faulen Zahlen bleiben in den Büchern, die falschen Investitionen werden fortgeführt. Die Feuer werden also mit Benzin gelöscht. Entsprechend schrecklich und langjährig werden die Folgen sein. Bis hin zu Reihum-Staatsbankrotten und «Währungsreform» genannten Totalenteignungen der Sparer. Ob relativ rasche abgrundtiefe Depression oder jahrzehntelang dahinmarodierender Niedergang, ob scharfe Deflation oder Hyperinflation, ob beides nebeneinander oder nacheinander: Die Welt, wie wir sie kennen, wird es bald nicht mehr geben - und vielleicht die Zivilisation auch nicht mehr.
Verfasst am:
Sa 14 Feb, 2009 19:56 Titel: Weltwirtschaftskrise - Wörterbuch des Grauens
Weltwirtschaftskrise - Wörterbuch des Grauens
Die Wirtschaftskrise ist schon schlimm, und sie könnte noch schlimmer werden. Die AZ malt ein Albtraum-Szenario.
Osama bin Laden? Nordkorea? Iran? Nichts ist so gefährlich für die USA und die Welt wie die Wirtschaftskrise. Das steht im Jahresbericht von Dennis Blair, dem Geheimdienst-Koordinator der USA. Je länger die Krise dauere, desto eher gerate die politische Ordnung weltweit ins Wanken. So seien Staaten der ehemaligen Sowjetunion, in Afrika oder Lateinamerika nicht gegen die Krise gewappnet. Schon jetzt wachse vielerorts die Kritik an den USA als vermeintlich verantwortlich für die Wirtschaftskrise. Und die wird täglich schärfer.
Die deutsche Wirtschaft etwa schrumpft rasant: im Schlussquartal 2008 um 2,1 Prozent. Das gab es seit 20 Jahren nicht mehr. Auch andere Länder trifft es voll. „Ausmaß und Geschwindigkeit der Krise sind völlig neu“, sagt EU-Industriekommissar Günter Verheugen.
Gleichzeitig flüchten die Staaten in Protektionismus. „Die Arbeitslosigkeit wächst. Das erhöht den Druck auf Politiker, heimische Industrien zu schützen“, sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt bei Unicredit. Doch Abschottung ist gefährlich, kann die Weltwirtschaft erst recht abrutschen lassen.
Was kommt noch auf uns zu? Es ist ein Wörterbuch des Grauens. Die AZ nennt die Gefahren – und sagt, wie wahrscheinlich sie sind.
Protektionismus
Die Lage: Offiziell ist der Schutz der eigenen Wirtschaft politisch tabu. Tatsächlich gibt es ihn schon überall: Frankreich stützt die Autoindustrie mit Milliarden. Russland erhöht Zölle auf Importautos. Im US-Konjunkturpaket steht: Für Infrastruktur soll nur US-Stahl verwendet werden. Die Passage wurde lediglich entschärft. Im Ausland wird die deutsche Abwrackprämie als protektionistisch kritisiert. „Offiziell will niemand Protektionismus“, sagt Unternehmensberater Martin Hüfner. „Tatsächlich werden überall Handels-Schranken hochgezogen.“ Die Folgen. Wer seinen Markt abschottet, muss mit Vergeltung rechnen. „Dann gilt: Wie du mir, so ich dir“, sagt Hüfner. Für Export-Länder wie Deutschland ist das tödlich. Beispiel: Die Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren. In den USA wurde Protektionismus Gesetz. Der Welthandel ging drastisch zurück. Die Krise eskalierte.
Depression
Die Lage: Die Wirtschaft schrumpft rasant, die Arbeitslosigkeit steigt, die Prognosen für 2009 sind mehr als düster – nicht nur Deutschland steckt in der Rezession. So tief, dass alle Hoffnung auf den weltweiten staatlichen Konjunkturprogrammen liegt. „Es ist immens wichtig, dass die Programme greifen“, sagt Experte Andreas Rees. Darauf setzen die Unternehmen. Die Stimmung in den Firmen hat sich zuletzt aufgehellt. Bleibt der Staats-Effekt aus, „rutschen die Erwartungen ins Bodenlose“, fürchtet Rees. Das wäre der Anfang einer lang anhaltenden Krise – einer Depression. „Vom Tisch wischen darf man dieses Risiko-Szenario nicht“, sagt Rees. Die Folgen. Schrumpft die Wirtschaft auf Dauer, steigt die Arbeitslosigkeit. Aus Angst vor Jobverlust geben die Verbraucher wenig aus. Die Firmen verkaufen nichts. Die Preise sinken. Am Ende steht eine gefährliche Deflationsspirale
Deflation
Die Lage: Riesen-Rabatte bei Autos, Preisverfall auf dem Immobilienmarkt, Energie wird günstiger, Lebensmittel auch: Sinkende Preise sind Zeichen der Krise. Für die USA rechnen Experten im Frühjahr damit, dass die Preissteigerung unter Null fällt. „Auch für Deutschland ist eine solche Deflation im Laufe des Jahres zu erwarten“, meint Ökonom Martin Hüfner. Solange das nur kurz dauert, ist es nicht schlimm. „Die Verbraucher können sich freuen, wenn sie günstiger einkaufen“, meint Hüfner. Zum Problem wird die Deflation aber, wenn sie lange anhält. Die Folgen. Ist der Preisrutsch von Dauer, warten die Verbraucher ab: Wird das Auto, der Kühlschrank, der Fernseher noch billiger? Die Firmen kriegen die Ware nicht los, drosseln Produktion, entlassen Mitarbeiter, drücken Löhne. Das lässt die Kauflust der Verbraucher weiter sinken – ein Teufelskreis, der die Wirtschaft immer weiter in die Krise führt.
Staatsbankrott
Die Lage: Das Beispiel Island hat es gezeigt: Selbst Staaten sind vor einer Pleite nicht gefeit. Die Insel stand kurz vor dem Staatsbankrott. Fast alle Industrieländer greifen derzeit ihren Banken mit Milliarden-Krediten und Bürgschaften unter die Arme – und müssen sich hoch verschulden. Hinzu kommt: Die Krise lässt die Steuereinnahmen sinken. Bleiben auch noch Investoren aus, bekommt ein Land in Zahlungsprobleme. Skeptiker haben in der Eurozone schon Kandidaten für einen Staatsbankrott ausgemacht: Griechenland, Irland, Portugal. Die Folgen. Kann ein Euro-Staat seine Schulden nicht zahlen, fällt er aus dem Euro-Währungssystem. „Das wäre mit enormen Kosten verbunden – für das Land und die gesamte Eurozone“, sagt Experte Andreas Rees. Im Extremfall bricht das Euro-System auseinander. Die Angst davor ist ein Grund, warum der Euro zuletzt deutlich an Wert verloren hat.
Verfasst am:
So 15 Feb, 2009 17:37 Titel: Ukraine: Einzelhandel kämpft um jeden Kunden
Ukraine: Einzelhandel kämpft um jeden Kunden
Der Einzelhandel in der Ukraine ist massiv von der Wirtschafts- und Finanzkrise betroffen. Wege aus der Krise für Unternehmen sieht Consulter Györffy vor allem bei Personal und Mieten.
„Einen Monat kein Flugblatt ist für uns ein absolutes No-no“, sagt Peter Györffy, Geschäftsführer des Einzelhandelsconsulters Conplementation. Einen Monat kein Flugblatt und der Händler sei aus dem Kopf des Konsumenten.
Györffy berät seit mehreren Jahren Einzelhandelsketten in Russland und der Ukraine. Das Land ist von der Wirtschaftskrise massiv getroffen. Der Handel verzeichnet seit Herbst massive Umsatzeinbrüche. Alle Sparten sind betroffen. Im Elektroeinzelhandel erwartet Györffy heuer ein Minus von 40 Prozent. Das heißt es werden weniger Wlektrogeräte wie Waschmaschinen, Fernsehgeräte oder Handys verkauft.
Einkaufen ist teurer geworden
Die Bredouille ist groß, in der sich der ukrainische Markt laut Györffy befindet. Einkaufen ist teurer geworden, weil die lokale Währung, die Hrywna an Wert verloren hat. 40 Prozent sollen es laut RZB sein. Gleichzeitig haben die Menschen weniger Geld zum Ausgeben. "Arbeitslosigkeit steigt", so Györffy. Und die Arbeitnehmer verdienen weniger.
Laut RZB könnten die Lohnsteigerungen heuer unter dem Inflationsniveau liegen, Löhne sinken damit also. Und das nach Jahren voin Lohnzuwächsen um 30 Prozent. "Ein Mal wöchtenltich muss ein Händler derzeit die Preisschilder bei seinen Waren auswechseln", sagt Györffy. So schnell ändern sich die Preise. Ein kleiner Fortschritt zum Dezember: Damals mussten Preisbeschilderungen zwei Mal gewechselt werden, täglich.
Jetzt gilt: Geiz ist doch geiler
Und was rät Györffy nun seinen Kunden in der Ukraine, übrigens alles große Handelsketten? Prinzipiell gilt: „Wenn der Markt schrumpft, muss man Anteile gewinnen“, so Györffy. Will das Unternehmen nach der Krise auf gesünderen Beinen stehen, muss es aktivere Strategien fahren. „Der Kampf um den Kunden wird intensiver und dabei spielt Werbung, besonders Direktmarketing, eine große Rolle.“ Out weil teuer seien derzeit Werbungen auf Plakaten und Billboards. In seien Flugblätter, TV- und Radio-Werbung. Weiters rät Györffy zu Verschiebungen im Sortiment. Klar, dass dieser Kampf über den Preis stattfindet. Niedrige Preise müssen "rausgeschrieen" werden, so Györffy, Geiz sei derzeit halt doch geiler. Bei Warenangebot schlägt sich der Kampf auch nieder. „Das untere Preissegment muss stärker besetzt, das obere ausgedünnt werden.“
Verfasst am:
Sa 21 Feb, 2009 13:49 Titel: Börsenguru sagt Währungsreform voraus
Börsenguru sagt Währungsreform voraus
Crash-Prophet Roland Leuschel sieht den Aktienmarkt in einem langjährigen Abwärtstrend und sagt eine Währungsreform voraus. Nur Gold sei in diesen Zeiten sicher. Leuschel behielt mit seinen Prognosen oft genug recht: Er ahnte den Einbruch von 1987 und warnte frühzeitig vor der aktuellen Finanzkrise.
Für manche ist er ein notorischer Panikmacher, für andere der mutige Verkünder unbequemer Wahrheiten. Fest steht, dass Roland Leuschel mit seinen Crash-Prognosen oft genug recht behielt: Er sagte den Einbruch von 1987 voraus und warnte frühzeitig vor dem Debakel von 2008. WELT ONLINE sprach mit Deutschlands Aktien-Skeptiker Nummer eins.
WELT ONLINE: Herr Leuschel, vor einem Jahr haben Sie in dieser Zeitung vorausgesagt, dass der Dax sich halbieren würde. Damals stand das deutsche Börsenbarometer bei 8000 Punkten, heute bei knapp über 4000 Punkten. Sind wir am Tiefpunkt der Baisse angekommen?
Roland Leuschel: Keineswegs. Damals war ich schlicht zu optimistisch. Wir befinden uns mitten in einem langen Bärenmarkt, der mit dem der Dreißigerjahre zu vergleichen ist. Der Dax wird sich vom jetzigen Niveau wohl noch mal halbieren.
WELT ONLINE: Also ungebremst in den Abgrund?
Leuschel: Ich rechne damit, dass der Index bei 3500 bis 3600 Punkten einen Zwischenstopp einlegt. Dort verläuft eine starke technische Unterstützung. Das ist dann eine letzte gute Ausstiegsgelegenheit.
WELT ONLINE: Welche Art von Krise erleben wir?
Leuschel: Die westlichen Volkswirtschaften kranken an einem Übermaß an Verschuldung. Staaten, Firmen, Private – alle haben ihren Wohlstand im großen Maße auf Kredit gebaut. Mit dem Platzen der US-Hypothekenblase ist dieses System aufgeflogen. Jetzt erleben wir den langwierigen und qualvollen Prozess, dass die Schulden-Ökonomie abgewickelt wird. Das ist keine Rezession, sondern eine Depression.
WELT ONLINE: Die amerikanische Federal Reserve (Fed) und andere Notenbanken versuchen, der Wirtschaftskrise mit billigem Geld beizukommen. Die Regierungen haben milliardenschwere Konjunkturprogramme aufgelegt. Hilft uns das aus der Krise?
Leuschel: Im Gegenteil. Das verschlimmert die Krise, weil es das Vertrauen der Menschen in die Währungen untergräbt. Vor allem dass die Fed und neuerdings auch die Bank of England die hochschnellende Staatsverschuldung mit der Notenpresse finanzieren, ist ein verheerendes Signal. Alle reden jetzt von der Gründung einer Bad Bank. Dabei haben wir schon eine "bad bank“, nämlich die Fed.
Verfasst am:
Do 26 Feb, 2009 10:46 Titel: Go long the Kartoffel
Wenn bereits das Handelsblatt einen solchen Kommentar veröffentlicht....
Go long the Kartoffel
von Thomas Hanke
Die Banken fallen an den Staat, US-Notenbanklegende Paul Volcker sieht eine schlimmere Depression als in den 30er-Jahren, und Peer Steinbrück warnt vor rapider Geldentwertung. Alles Panikmache? Nein, die Lage wird noch schöngeredet, da hat Norbert Walter von der Deutschen Bank recht.
Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Der weltweite Staatsbankrott steht bevor. Die gute Nachricht ist: Man kann sich dagegen absichern, Hedging by Naturalwirtschaft. Pflügen Sie Ihren Garten um, stecken Sie auf Brachland Ihre Claims ab, suchen Sie versteckte Lichtungen im Wald, und vor allem: Ordern Sie jetzt noch günstig Saatkartoffeln. Sogar Bioware ist für unter zwei Euro das Kilo zu haben.
Der eigene Kartoffelacker sichert Ihrer Familie weit mehr als das Überleben und die Stromversorgung (schon zwölf mit Elektroden verbundene Knollen reichen aus, um einen PC mit Strom zu versorgen, haben englische Tüftler herausgefunden). Denn der Clou ist: Im Herbst tauschen Sie Ihre Knollen ein. Da kann glatt ein Büroturm der Deutschen Bank rausspringen
Verfasst am:
Do 26 Feb, 2009 23:08 Titel: Das Narrenschiff - Reinhard Mey
Das Narrenschiff - Reinhard Mey
Das Narrenschiff - Reinhard Mey
Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm
Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.
Und rollen und Stampfen und schwere See,
Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä",
Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.
Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert,
Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert,
Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.
Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum
Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,
Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten!
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig' um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf's Riff.
Am Horizont wetterleuchten die Zeichen der Zeit:
Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.
Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfaltspinsel.
Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,
Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,
Auf die Sandbank, bei der wohlbekannten Schatzinsel.
Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,
Bordellkönig, Spielautomatenbaron,
Im hellen Licht, niemand muß sich im Dunkeln rumdrücken
In der Bananenrepublik, wo selbst der Präsident
Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,
Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig' um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf's Riff.
Man hat sich glatt gemacht, man hat sich arrangiert.
All die hohen Ideale sind havariert,
Und der große Rebell, der nicht müd' wurde zu streiten,
Mutiert zu einem servilen, gift'gen Gnom
Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom
Seine Lieder, fürwahr: Es ändern sich die Zeiten!
Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm,
Gekauft, narkotisiert und flügellahm,
Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen.
Und eitle Greise präsentier'n sich keck
Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck,
Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen.
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig' um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf's Riff.
Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier.
Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir.
Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten.
Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg,
Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck
Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.
Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!
Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht.
Sie zieh'n wie Lemminge in willenlosen Horden.
Es ist, als hätten alle den Verstand verlor'n,
Sich zum Niedergang und zum Verfall verschwor'n,
Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig' um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf's Riff.
_________________ Geheuchelter Optimismus ist die perfideste Form der Feigheit
hoppeyone Registrierte
Anmeldedatum: 02.08.2007
Beiträge: 64
Verfasst am:
Mo 30 März, 2009 02:10 Titel: Crashkurs Geld und Recht
Ein interessanter Vortrag zur Finanzkrise!
"Crashkurs Geld und Recht" von Andreas Claus auf der AZK Konferenz in Chur am 21.02.2009
Zur aktuellen Finanzkrise. Neuigkeiten und Besonderheiten zur rechtlichen Lage in Deutschland und der Umgang damit. Praxisorientierte und realitätsbezogene Vermögensplanung. Spannender Vortrag über Neuigkeiten im Verhältnis von echter physischer Ökonomie, und Regionalwirtschaft contra Globalisierung und Casinokapitalismus mit konkreten Lösungswegen und Chancen nach dem Motto von Georg Christoph Lichtenberg: „Was jedermann für ausgemacht hält, verdient am meisten untersucht zu werden.“ oder "Es ist nicht alles Gold was glänzt, genauso wenig, wie irgendetwas Recht ist, bei dem ein Paragraphenzeichen voran steht!"
Verfasst am:
Sa 18 Apr, 2009 00:18 Titel: USA - Die Lehren des Economides
USA - Die Lehren des Economides
In der Krise steigen Rappenspalter in den USA zu Medienstars auf
Steve Economides spart seit Jahrzehnten jeden Cent. Als er 1982 heiratete, verdiente er als Grafikdesigner 7 Dollar pro Stunde. Er widersetzte sich den Ratschlägen von allen Seiten, einen Zweitjob anzunehmen. Seine Frau Annette arbeitete gar nicht. Das ging gut, weil das junge Ehepaar aus Arizona Einkäufe akribisch plante, Kreditkarten kategorisch ablehnte, Reparaturen selbst erledigte und sich so weit wie möglich auf Gebrauchtwaren beschränkte.
«In den ersten 12 Jahren unserer Ehe hatten wir im Schnitt weniger als 35 000 Dollar pro Jahr», berichtet Economides. Dennoch hätten sie auf nichts verzichten müssen, auch mit drei Kindern nicht. Und nicht nur das: Innerhalb von neun Jahren hatten sie ihr Eigenheim abgezahlt.
Verfasst am:
Do 23 Apr, 2009 18:45 Titel: Ich kann kein Brot wegwerfen
Ich kann kein Brot wegwerfen
Erhard Eppler über seine Erlebnisse während der Weltwirtschaftskrisen 1929 sowie 2009 und darüber, warum er so viel vom Schweizer Franken hält.
SZ: Herr Eppler, reden wir über Geld. Sie erleben schon die zweite Weltwirtschaftskrise. Welche Erinnerung haben Sie an die erste große Krise 1929?
Erhard Eppler: Mindestens ein Dutzend Bettler klopften pro Tag an unsere Haustür in Schwäbisch Hall. Meine Mutter hat denen Fünf- und Zehn-Pfennig-Stücke gegeben, was damals viel Geld war, Anfang der dreißiger Jahre. Geld war unglaublich knapp und wichtig. Aber auch kaufkräftig. Ich habe damals, als ich in die Schule kam, für vier Pfennige eine Brezel bekommen. Der Pfennig war etwas wert - das hat sich bei mir eingeprägt.
SZ: Sie waren damals ein kleines Kind. Haben Sie die Geldknappheit auch in Ihrer Familie gespürt?
Eppler: Ja. Wir waren damals sechs Kinder, später sieben. Mein Vater war ein sparsamer Schwabe. Es war nicht leicht, er wollte sich ja auch noch ein Haus ersparen - ohne jedes Vermögen.
SZ: Haben Sie die Bettler vor Ihrer Tür als beängstigend empfunden?
Eppler: Ich hatte schon das Gefühl, das dürfte es nicht geben. Eigentlich müssten die was zum Arbeiten haben. Und die Allermeisten wollten das ja auch. Manche kamen und fragten: Haben Sie etwas für mich zu tun? Gibt es Holz zu hacken oder den Garten umzugraben?
SZ: Haben Sie diese Not verstanden?
Eppler: Ich hab mich sogar in die Leute hineinversetzt: Was würdest du machen, wenn du auch von Haus zu Haus betteln gehen müsstest? Ich war froh, dass ich es nicht musste. Aber ein Kind mit fünf, sechs Jahren produziert daraus keine Theorien. Ich hatte einfach Mitleid.
SZ: Was würden Sie sagen: Hat Sie die Zeit der Krise nach 1929 geprägt?
Eppler: Nicht so sehr. Viel mehr geprägt hat mich die Knappheit im Zweiten Weltkrieg.
Verfasst am:
Mo 27 Apr, 2009 23:30 Titel: WIRTSCHAFTSKRISEN 1929/2009
WIRTSCHAFTSKRISEN 1929/2009 - Blamage für die Propheten des Aufschwungs
"Wir haben das Schlimmste ausgestanden und werden uns schnell erholen": In der Großen Depression ab 1929 riefen vermeintliche Finanzexperten immer wieder das Ende des Abschwungs aus - und lagen auf fatale Weise daneben. Werden die Krisenmager von heute Lehren daraus ziehen?
Die Weltwirtschaftskrise war keinesfalls der kontinuierliche Abstieg, als der sie in der Rückschau oft gesehen wird. Immer wieder gab es in der Dekade nach 1929 Anzeichen für eine Erholung. Die Menschen glaubten fortwährend, das Gröbste überstanden zu haben - doch die Hoffnung trog: Es kam noch schlimmer.
Verfasst am:
Di 12 Mai, 2009 13:29 Titel: Geldpapier-Fabrik kommt kaum nach mit Liefern
Geldpapier-Fabrik kommt kaum nach mit Liefern
Bei der Papierfabrik Landqart, welche die Nationalbank mit Banknotenpapier beliefert, sind die Auftragsbücher rappelvoll. Lanqart prüft jetzt die Kapazitätserweiterung um das Dreifache, sagt der Firmenchef zu cash.
Am nächsten Mittwoch eröffnet in Stockholm die 23. Internationale Messe für Sicherheitspapiere Intergraf. Mit von der Partie ist Alfonso Ciotola, Chef der Papierfabrik Landqart aus Landquart GR. Er liefert exklusiv Banknotenpapier an die Schweizerische Nationalbank (SNB), produziert aber auch für die Europäische Zentralbank und andere Nationalbanken.
In Stockholm will er sich über neue Trends informieren. Der jüngste grosse Notenbank-Trend, die quantitative Lockerung der Geldpolitik, entpuppte sich für ihn bereits als grosser Segen: «Sie brachte eine deutlich höhere Nachfrage bei Geld-Zulieferern», so Ciotola.
2008 war die Division Sicherheitspapiere von Landqart denn auch völlig ausgelastet. Der Umsatz ist gegenüber 2007 um 36 Prozent gestiegen. Und auch heute sind die Auftragsbücher für Notenpapier voll, wie Ciotola bestätigt.
Verfasst am:
Di 02 Jun, 2009 20:39 Titel: Wirtschaftskrise verschärft politische Unruhen
Wirtschaftskrise verschärft politische Unruhen
Finanzwerte brechen ein, die Konjunktur lahmt, die Arbeitslosigkeit wächst - nicht ohne Folgen für den Frieden: Die weltweite Wirtschaftskrise hat laut einer Studie zu mehr Instabilität und Gewalt geführt. Die USA belegen in dem Ranking Platz 83.
Die Welt erscheint weniger friedlich als noch vor einem Jahr. Mehr instabile Verhältnisse, mehr gewalttätige Auseinandersetzungen diagnostizieren die Autoren des Rankings für den Global Peace Index 2009. Dazu kamen in den vergangenen zwölf Monaten steigende Preise für Nahrungsmittel. Ab Herbst 2008 folgten Einbrüche an den Finanzmärkten, abstürzende Immobilienpreise und zunehmende Arbeitslosigkeit.
Verfasst am:
Do 04 Jun, 2009 21:40 Titel: Krise total: Rüstungswerk zahlt Lohn in Nudeln aus
Krise total: Rüstungswerk zahlt Lohn in Nudeln aus
Kirow. Ein staatseigener Herstellerbetrieb von Schusswaffen will seine Mitarbeiter jetzt mit Lebensmitteln bezahlen, weil er den Lohn schuldig bleibt. Zehn Prozent der 5.000 Mitarbeiter haben bereits eingewilligt.
Die Lohnschulden des Werkes „Molot“ in Wjatskije Polany (Gebiet Kirow) belaufen sich auf 121 Mio. Rubel (2,7 Mio. Euro). Wegen der ausstehenden Gehaltszahlungen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Allerdings ist klar, warum das Geld ausbleibt: Gerichtsvollzieher beschlagnahmen alle liquiden Mittel des staatseigenen Betriebs, um damit Forderungen von Zulieferern abzudecken.
Nudeln und Mehl statt Rubel
In dieser Lage hat sich die Werksleitung als erster Betrieb Russlands zur Rückkehr zu einer Praxis entschieden, die in den Krisenjahren am Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre üblich war: Die Arbeiter sollen als Abschlagszahlung Lebensmittelpakete im Gegenwert von 630 Rubel (14 Euro) bekommen.
Sie werden einfache Nahrungsmittel wie Speiseöl, Mehl, Nudeln, Buchweizen, Zucker und Fleischkonserven enthalten, schreibt der „Kommersant“.
Die Rückkehr zu einer anderen in früheren Krisenjahren erprobten wirtschaftlichen Überlebenstechnik kommt im Falle von „Molot“ nicht in Frage: Viele russische Unternehmen „bezahlten“ damals ihre Mitarbeiter mit ihren eigenen Produkten – damit diese dann dafür auf Märkten selbst Kunden suchten. „Molot“ produziert allerdings Kalaschnikow-Maschinengewehre und Panzerabwehrwaffen.
Hunger leidende Belegschaft bekam etwas Geld
Mit ihren "Care-Paketen" sind die Arbeiter von „Molot“ noch in einer besseren Lage als das über 200 Menschen zählende Personal eines Bergbaubetriebes im Dorf Swetlogorje im Gebiet von Wladiwostok, deren Elend inzwischen auch schon Premierminister Wladimir Putin auf den Plan rief.
Da die inzwischen abgetauchte Leitung des seit September still stehenden Werkes „Russki Wolfram“ über Monate die Löhne schuldig blieb, hatten die Menschen dort effektiv nichts mehr zu essen. Erst Anfang dieser Woche zahlte die Gebietsregierung den Betroffenen eine Sofort- und Hungerhilfe von 3.000 Rubel (ca. 65 Euro) aus.
Nun soll versucht werden, das Unternehmen schnell zu verstaatlichen. Putin sagte der Gebietsregierung dafür jede notwendige Hilfe zu - kritiserte sie aber auch wegen ihrer langen Untätigkeit.
Offensichtlich gibt es nur noch zwei Möglichkeiten aus der Krise.
Entweder man macht selbst eine Trinkhalle auf um die letzten Notgroschen einzukassieren, die von den Opfern der Krise versoffen werden oder man überfällt diese modernen Gastronomiebetriebe für den Messie von nebenan, denn dort mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von Wachstum auszugehen.
_________________
Bei mir ist wohl der Wurm drin, rast und gast darin rum. Aber besser diesen kleinen Freund als nur Holz im Kopf.
Verfasst am:
Mi 01 Jul, 2009 13:18 Titel: Ukraine - Die Krise kommt in den Regalen an
Welche Auswirkungen die Wirtschafstkrise hat, zeigt dieses Beispiel aus der Ukraine
Ukraine - Die Krise kommt in den Regalen an
Beim Einzelhandel haben schwere Zeiten eingesetzt. Die Käufer begannen ihre Ausgaben einzuschränken und die scharfe Abwertung der Hrywnja macht die Zahlungen für bestehende Kredite und die Anwerbung neuer zu einer schwierigeren Aufgabe. Den Ketten bleibt nichts übrig, als die Arbeitsbedingungen mit den Lieferanten zu ändern und ebenfalls das Produktsortiment in den Regalen durchzuschauen. Im Resultat haben die Käufer bereits Ende letzten Jahres das Fehlen gewohnter Waren bemerkt. Und das ist nur der Anfang, betonen Marktteilnehmer.
Verbrauchereinschränkung
“Die Konsumentennachfrage in der Ukraine hat sich in den letzten zwei Monaten um etwa ein Drittel verringert”, sagt der Direktor der Consultingfirma AAA, Sergej Naliwka. “Der Hauptrückgang bei der Konsumentaktivität lässt sich in den Industriestädten im Osten der Ukraine beobachten, die bis vor kurzem noch die Verkäufe anführten”, sagt der Vorsitzende des Aufsichtsrates des Unternehmens “Furshet/Furschet”, Igor Balenko. “In unserer Kette hat sich die Zahl der Kassenzettel von Dezember bis Januar um 10% im Vergleich mit der analogen Periode des letzten Jahres verringert, obgleich sich die mittlere Rechnung nicht verändert hat”, sagt der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Holding “Pakko”, Wladimir Mikulitsch.
Der Nachfragerückgang ist das Resultat der allgemeinen Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation im Lande. Die Finanzkrise zwingt die Unternehmen dazu ihre Tätigkeit zu optimieren. Im Ergebnis finden sich mehr und mehr Menschen in der Ukraine auf der Straße wieder. Sogar den Angaben des Staatlichen Statistikamtes nach, welches nicht alle zählt, die ihre Arbeit verlieren. So stieg in den letzten zwei Monaten des letzten Jahres die Zahl der Arbeitslosen um fast 60% – auf 844,9 tausend Menschen. “Den Leuten wird das Gehalt gekürzt, viele blieben ohne Arbeit, wie sich die Situation weiter entwickeln wird, weiß niemand. Daher beginnen die Leute zu sparen”, sagt Naliwka.
Das Geld reicht nicht für alle
Die Situation wird durch Probleme mit der Kreditfinanzierung verkompliziert. “Banken geben keine neuen Kredite aus, sie fordern die Rückzahlung der bestehenden Schulden und zusätzlich erhöhen sie die Zinsen. Der Einzelhandel kann sich nicht allein mit den Umsatzmitteln entwickeln”, sagt Wladimir Mikulitsch. “Die Ketten expandieren bereits nicht mehr, da aus den Umlaufmitteln die Schulden bedient werden müssen”. Seinen Worten nach, betrugen die Kreditzinsen in Hrywnja bis zu Beginn der Krise 16-18%, jetzt liegen sie bei 26-30%.
Noch schlechter ist die Situation bei den Dollarkrediten – der offizielle Kurs der Hrywnja fiel seit 1. September des letzten Jahres fast um 60%. “Die Mehrzahl der Einzelhändler hat Kredite in Dollar aufgenommen, was bei einer Abwertung der Hrywnja zu zusätzlichen Ausgaben führt. Beispielsweise, betrugen die Verluste eines der größten Einzelhändler in Verbindung mit der Instabilität des Dollarkurses 75 Mio. Grynwja”, erzählt der Generaldirektor der Ukrainischen Handelsassoziation, Igor Kischko. “In Hrywnja ist unser Umsatz nicht gefallen, doch, wenn wir dies zum aktuellen Kurs für die Bedienung von Krediten in Dollar umtauschen, dann ist dies eine gänzlich andere Zahl”, sagt Balenko. “Im Mittleren betrug die Rentabilität der Branche bis zum Beginn der Krise bis zu 2%, heute verringerte sie sich auf 0,5-1%”, fügt er hinzu.
Das Defizit an Kreditmitteln bei den Einzelhändlern führt zu einer Verlängerung der Abrechnungsfrist mit den Lieferanten. “Unser Unternehmen ist zur Bezahlung der Ware sofort nach dem Umsatz übergegangen, um keine Schulden bei den Lieferanten zu haben”, sagt Igor Balenko. Bei den anderen vom “Kommersant-Ukraine“ befragten Ketten zog man es vor nicht über Änderungen in der Arbeit mit den Lieferanten zu reden. Der Generaldirektor des Unternehmens “Ukrainskij Retail” (Kette “Brusnyzja”), Alexej Gessen, merkt lediglich an: “Als nach dem Rückgang der Verkaufsmengen zeitweilige Stockungen bei der Zahlung mit einigen Lieferanten aufkamen, wurde mir die Position der Lieferanten klarer, welche die Lieferungen fortsetzten, auf sich kleinere zusätzliche Risiken nehmend, was es ihnen erlaubte ihren Marktanteil auszuweiten”.
Derweil sagen die Lieferanten, dass es schwieriger wurde mit den Ketten zu reden. “In erster Linie werden Waren mit hoher Umsatzgeschwindigkeit bezahlt, beispielsweise Milch. Und bei langsam umsetzbaren wird die Zahlung aufgeschoben”, sagt ein Vertreter eines fleischverarbeitenden Unternehmens, der anonym bleiben möchte. Seinen Worten nach, wird der Hersteller in diesem Fall entweder die Liefermenge verringern oder zeitweilig die Lieferung unterbrechen.
“Übrigens befinden sich die Hersteller und die Ketten derzeit in der gleichen Situation, verständlich, dass die Ausweitung bereits bestehender Stundungen bei Zahlungen ein notgedrungener Schritt ist”, sagt der Vorstandsvorsitzende der “Ukrainskaja Wostotschnaja Rybnaja Kompanija/Ostukrainische Fischfirma”, Oleg Luschtschik. “Wir versuchen ihnen entgegenzukommen: falls man gemäß dem Gesetz vorgeht, dann verliert man einen Teil des Absatzmarktes”, fügt der Vertreter der fleischverarbeitenden Firma hinzu. “Wie auch der Großteil der Importunternehmen, versuchen wir beispielsweise mit den Verarbeitern zur Bezahlung gemäß den Tatsachen überzugehen.”, sagt einer der Mitarbeiter eines Importeurs für Meeresfrüchte, der anonym bleiben wollte. “Doch mit den Ketten reden wir über eine Verkürzung des Zahlungsaufschubes von 60-90 Tagen auf 20-30 Tage. Mit der alten Stundung zu arbeiten ist bereits nicht mehr rentabel, wenn der Kurs innerhalb eines Tages sich um wenigstens 30 Kopeken ändern kann”. ??“Den Worten von Oleg Luschtschik nach, arbeitet die Hälfte der Importfirmen bei Meeresfrüchten im Minus.
Verfasst am:
Di 07 Jul, 2009 19:07 Titel: Weltwirtschaftskrise, die nächste
Weltwirtschaftskrise, die nächste
Der Absturz der Weltwirtschaft nähert sich der dritten Phase. Nur die deutsche Regierung hält daran fest, dass alles gut wird, und setzt weiter auf ihre gescheiterte Export-Strategie.
Sie ist einfach cool, unsere Kanzlerin. In der Stunde höchster Gefahr tut sie so, als wäre gar nichts los. Mehr noch, sie kündigt an, den Kollegen beim G8-Gipfel im vom Erdbeben zerstörten Abruzzenstädtchen L'Aquila ein bisschen Haltung und Durchhaltewillen zu empfehlen. Schluss mit den Maßnahmen gegen die Finanzkrise, will sie Obama, Sarkozy, Brown et cetera zurufen. Die Krise geht schließlich von selbst vorbei. Jetzt sollten sich die Regierungschefs um die Zeit nach der Krise kümmern. Und keine weiteren Konjunkturprogramme bitte. Stattdessen sollten sich die anderen sieben ein Beispiel an Deutschland nehmen, das sich die "Schuldenbremse" für die Zeit danach verordnet hat.
Ich räume ein, dass ich auch ein wenig verschnupft bin über diese Coolness der Kanzlerin. Denn sie hat mich als naiven Träumer entlarvt. Vor vier Wochen hatte ich an dieser Stelle die Hoffnung, ja Erwartung geäußert, die von ihr geführte Regierung werde vor und wegen der kommenden Wahl (und damit vor den Sommerferien) noch einige expansive Antikrisenmaßnahmen auf den Weg bringen.
Nichts davon. Die Kanzlerin bleibt ungerührt. Die einbrechende deutsche Wirtschaft lässt sie kalt. Und sie geht so weit, das erkennbar scheiternde deutsche Geschäftsmodell dem Ausland zu empfehlen. Ihre Ausfälle gegen die Wirtschaftspolitik der USA (und Großbritanniens) und gegen die expansive Geldpolitik der großen Notenbanken waren kein Ablenkungsmanöver, sondern ernst gemeint.
Merkels Hoffnung trügt
Die EZB hat auf Merkels Kritik mit einer massiven Zufuhr von einjähriger Liquidität in Höhe von 442 Mrd. Euro an das europäische Bankensystem geantwortet. Sie hat damit auch klargestellt, dass die Finanzkrise zwei Jahre nach ihrem Ausbruch noch lange nicht bewältigt ist. Es dürfte wohl eher so sein, dass wir uns Phase III der Weltwirtschaftskrise nähern. In Phase I (ab August 2007) verschwand die auf dem Globus grassierende Überliquidität, der Kreditboom stockte, das Finanzsystem begann zu wackeln.
In Phase II erreichte die Finanzkrise die Realwirtschaft auch außerhalb der USA. Wegen der riesigen Nachfragelücke aus den USA, deren Konsumenten sich nicht mehr verschulden konnten (und wollten), brachen die Investitionen weltweit ein. Zugleich retteten die Staaten nach dem Fall von Lehman Brothers ihre Banken. Sie legten auch Konjunkturprogramme auf. Deren Volumen blieb aber (nicht nur in Deutschland) weit hinter den Kosten der Bankenrettung zurück. Vor allem deshalb dürfte die Hoffnung auf eine Erholung trügen.
Phase III beginnt dann, wenn die scheinbare Stabilisierung der letzten Monate sich als Illusion erweist und die realen Daten erneut nach unten wegsacken. Das ist der berühmte "Double Dip" der Chart-Techniker, der grafisch zum Ausdruck bringt, dass auch der Letzte begriffen hat, dass es nicht wieder schnell aufwärtsgeht. Entscheidender sind noch die gesellschaftlichen Folgen: Der rapide Anstieg der Arbeitslosigkeit wird dank der Agenda-2010-Reformen schnell zu weitverbreiteter Armut führen. Zugleich sorgt die wegbrechende Einkommensbasis für ein rasches Anwachsen der Defizite von Staatshaushalten und Sozialsystemen.
Es mag sein, dass Frau Merkel und ihre Regierung nur prognostisch falsch beraten sind. Es gibt ja durchaus Stimmen, die nicht nur die Talsohle jetzt schon erreicht sehen, sondern auch an einen dann folgenden kräftigen Aufschwung glauben. Diese Ökonomen vermuten, dass die USA, die als Erste die Krise real zu spüren bekamen, aus dieser Krise auch zuerst und zwar bald wieder auftauchen. Die muntere Gangart der Aktien- und Rohstoffmärkte der letzten Monate schien solche Hoffnungen zu bestätigen.
Was davon zu halten ist, haben Beobachter treffend analysiert: Angesichts steigender Arbeitslosigkeit, stagnierender Reallöhne und endlich steigender Ersparnis werden die US-Bürger die reale Nachfrage nicht erhöhen, zumal die einkommensstützende Wirkung der erhöhten Staatsausgaben bald nachlässt. Das Geschäftsmodell der USA, den Konsum durch steigende Verschuldung der Bürger anzutreiben, so lautet die richtige Folgerung, ist gescheitert.
Wenn Merkel und die in der Regierung versammelten Sozial- und Christdemokraten den Hang zur Verschuldung bei angelsächsischen Privat- und Staatshaushalten tadeln, können sie in der Tat auf das spektakuläre Scheitern dieses Geschäftsmodells verweisen. Es trieb die Weltwirtschaft nett an, während es funktionierte. Seit Sommer 2007 aber ist Schluss mit lustig. Das Modell ist am Ende.
Exportnation ohne Weltmarkt
Mit ihm aber auch das deutsche. Denn nur wenn das lasterhafte Schuldenmodell der USA funktioniert, funktioniert auch das tugendhafte Gürtel-enger-schnallen-Modell in Deutschland. Eigentlich müssten Merkel und Steinbrück das mitbekommen haben. Schließlich brach der Weltmarkt ein, als die USA aufhörten, ihre Konsumgüternachfrage zu steigern, und stattdessen ihr Handelsbilanzdefizit, wenn auch nur mäßig, einschränkten. Die Exporteure der Bundesrepublik liefern direkt nicht viel in die USA. Aber sie liefern (besser: lieferten) an jene, die vom US-Markt abhängig sind.
Die Bundesregierungen, die aktuelle und ihre Vorgängerinnen, haben (mit Ausnahme der kurzen Periode, als es um den neuen Markt der alten DDR ging) immer alles getan, um den Export Deutschlands zu forcieren. Das hat in Maßen funktioniert. Aber der Inlandsmarkt und damit das volkswirtschaftliche Wachstum insgesamt blieb hinter dem Wachstum der Produktionskapazitäten zurück. Die Strategie, in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde sie "Angebotstheorie" getauft, ist gezielt unausgewogen: Alles, was die Kosten der Unternehmen (Löhne, Steuern und Abgaben) senkt, ist gut, was die Nachfrage stärkt, ist schlecht.
Wenn der Weltmarkt wie jetzt darniederliegt, ist eine solche reine Exportstrategie fatal. Merkels Ziel, die deutschen Unternehmen sollten stärker aus der Krise herauskommen (als die Konkurrenz), wird noch viele Pleiten und viel soziales Elend bringen.
Verfasst am:
Sa 11 Jul, 2009 20:56 Titel: Zwischenruf:
Wenn das Brot Millionen kostet
Zwischenruf: Wenn das Brot Millionen kostet
Es gibt kein zweites Thema, das die Deutschen so beschäftigt - aber öffentlich gar keine Rolle spielt: eine Währungsreform. Propheten, Scharlatane und Geschäftemacher treiben ihr Spiel mit den Ängsten.
Selbst der Jungbauer denkt schon die Apokalypse. "Wie stehen die Wetten für den Zusammenbruch des Papiergelds in der jetzigen Form bis Ende 2009? Was ist heuer als Landwirt diesbezüglich zu tun?", fragt "Caramba" im "Landtreff", einer Internet- Community des modernen Traktoristen.
"SHierling" weiß Rat: "Ich hab Ferkel, und hier in der Gegend feiert die Tauschwirtschaft schon seit einigen Jahren fröhliche Urstände, mich trifft das nur wenig. Von meinen letzten Milliarden würde ich wohl versuchen, ne kleine Windkraftanlage aufs Grundstück zu setzen …"
"Schakschirak" empfiehlt: "Mehr Handelsdünger streuen, dann hast du das Kapital in Form von Erzeugnissen auf dem Feld." Und "hans g" berichtet: "Die Tage war der Landmaschinenvertreter da und meinte, ich müsse jetzt dringend in Sachwerte investieren - neuen Schlepper. Ich hab gefragt, ob er Aktien als Zahlung akzeptiert …"
Ein Gespenst geht um in Deutschland, das Gespenst der Währungsreform. Die Staaten stopfen Hunderte von Milliarden in die schwarzen Löcher der Finanzkrise, ihre Schulden wachsen darüber ins Galaktische. Hierzulande türmen sich die Staatsschulden inzwischen auf fast 1,6 Billionen Euro - in 100-Euro-Scheinen, vier Stapel nebeneinander, reichte das in 422 Kilometer Höhe, dort oben könnte man dem Space Shuttle die Fenster putzen. Eine Hyperinflation also ist gängige Erwartung und eine Währungsreform in solcher Lage historische Erfahrung. Zweimal schon, 1923 und 1948, wurden Inflation und Schulden in Deutschland mit einem Währungsschnitt gekappt. Warum also nicht wieder?
Verfasst am:
Di 15 Sep, 2009 12:21 Titel: Weltkrise privat
Wie krisenfest sind Sie wirklich?
Weltkrise privat - Wie krisenfest sind Sie wirklich?
Was ist der Unterschied zwischen ARD und HRE? Was haben die Gebrüder Grimm mit dem Soffin zu tun? Vor einem Jahr ging die US-Bank Lehman Brothers unter - und die Rezession startete richtig durch. Testen Sie mit SPIEGEL-ONLINE-Krisen-Kolumnist Thomas Tuma Ihr Fachwissen rund um die Krise.
Wir wissen zwar nicht genau, wie viel Sie in den letzten Minuten rumprobiert haben – aber Sie scheinen wirklich krisenfest zu sein. Waren Sie mal Investmentbanker, Vermögensberater oder Kleinanleger? Dann freut es Sie sicher, dass ein Teil des Netto-Klickerlöses von diesem Quiz irgendwann einem Seniorenstift für sozialschwache Ex- Bankangestellte zugute kommen soll, um deren Resozialsierung zu fördern. Bis dahin können Sie sich damit trösten, dass Sie zu den ganz Harten im Garten gehören. Herzlichen Glückwunsch!
_________________ Geheuchelter Optimismus ist die perfideste Form der Feigheit
Verfasst am:
Do 08 Okt, 2009 10:24 Titel: Lettland - Großer Kater statt große Party
Lettland - Großer Kater statt große Party
Wie kaum ein anderes Land in Europa hat die Weltwirtschaftskrise Lettland aus der Bahn geworfen. Als "klinisch tot" bezeichnete der lettische Notenbankchef die Wirtschaft des Balten-Staates. Täglich gehen gut 200 Firmen Bankrott, über 17 Prozent beträgt die Arbeitslosigkeit. Der einstige baltische Tiger ist hoch gesprungen und flach gelandet.
Eigentlich hat Guntis Gerwoless alles richtig gemacht. Sein Traktor etwa, mit dem er seit dem frühen Morgen den Acker durchpflügt: Kommt aus Schweden - und gilt als einer der besten weltweit. Genau wie das Kühlhaus für die Milch, dessen blitzblanke Chrombehälter und blinkenden Lichter sich gut in jedem Science-Fiction-Film machen würden. Ist "Made in Germany" - Guntis springt vom Traktor und zeigt stolz auf das Etikett, das in der Sonne glitzert. Es ist noch einmal warm geworden - in Kurland, der Kornkammer Lettlands.
Zu Sowjetzeiten, vor der Unabhängigkeit des Baltenstaates Anfang der 90er, hätte der Landwirt von all dem nur träumen können; dass der Hof, für den der Urururgroßvater einst 18 Gold-Rubel zahlte, wieder einmal in neuem, alten Glanz erstrahlen würde. Vor kurzem erst hat der Anfang 50-Jährige die Fassade des Wohnhauses streichen lassen: Weiß das Untergeschoss, rot die zwei oberen Stockwerke. So wie früher. Zum ersten Mal huscht ein Lächeln über Guntis sonnengegerbtes Gesicht. Ehe man sich versieht, ist es auch schon wieder verschwunden.
Guntis Gerwoless: "Ich bin langsam mit meinem Latein am Ende. Die Kosten steigen, steigen und steigen. Wir müssen jetzt gut 70 Centimes, also einen Euro, für den Liter Diesel zahlen. Und gleichzeitig bekommen wir immer weniger für unser Fleisch und unsere Milch. Vor einem Jahr haben uns die Molkereien noch 25 Centimes für den Liter gezahlt. Jetzt können wir froh sein, wenn es 15 sind. Wie soll ich da meinen Kredit zurückzahlen? Das ist doch nicht normal. Diese verdammte Krise treibt uns noch in den Ruin."
Die "Krisis" - die Krise - wie in den meisten lettischen Familien ist sie auch bei den Gerwoless Dauerthema. Guntis kennt die Zahlen fast schon auswendig: Die Wirtschaft des 2.3 Millionen-Landes: Ist allein im ersten Quartal des Jahres um 18 Prozent geschrumpft; die Arbeitslosigkeit: Auf über 17 Prozent gestiegen. Tag für Tag - meldet das Arbeitsministerium - gehen gut 200 Firmen Bankrott.
Bankrott gegangen ist auch der alte Krämerladen von Talsi, der beschaulichen Kreisstadt vier, fünf Kilometer entfernt vom Hof der Gerwoless. "Von einen Tag auf den anderen", erzählt Guntis Frau Maija und fährt sich mit der Hand durch das rot gefärbte Haar. Auf dem Wochenmarkt oberhalb des Dorfangers, wo sie manchmal dienstags Milch und Beeren verkauft, spekulieren die Marktfrauen schon darüber, wer als nächster daran glauben muss. "Maija", fragen sie, "was ist mit deinem Tante-Emma-Laden?" Vier Mal die Woche geht die Bäuerin hier nebenbei arbeiten, steht sie für den Besitzer, die örtliche Genossenschaft, an der Kasse - umgeben von Billig-Zigaretten, die trotz Fotos von Raucherlungen auf den Packungen reißenden Absatz finden und kleinen, schwarzen Schachteln, die sich bei näherem Hinsehen als Kondome entpuppen.
Maija Gerwoless: "Es kommen immer mehr Leute zu uns, die kein Geld haben. Besonders schlimm ist es am Monatsende, da lässt mindestens die Hälfte anschreiben. Und du weißt genau: Die meisten werden es nicht zurückzahlen können. Rentner sind darunter, aber auch immer mehr Mütter von Kleinkindern, die ihren Job verloren haben wegen der Krise. Denen ist das unglaublich peinlich, Talsi ist ja nicht besonders groß, da kennt jeder jeden. Du siehst sie dann, wie sie die Straßenseite wechseln, wenn sie das nächste Mal an unserem Laden vorbeikommen. Mir geht das richtig an die Nieren. Ich meine, wir sind keine Wohltätigkeitsorganisation, wenn wir so weitermachen, sind wir irgendwann pleite. Aber was soll ich tun? Wenn jemand vor dir steht und sagt: Wenn du mir jetzt nicht Butter und Mehl gibst, erhänge ich mich."
Verfasst am:
Mi 28 Okt, 2009 09:55 Titel: Dein Papa ist jetzt ein Langzeitarbeitsloser
Leben im Abschwung „Dein Papa ist jetzt ein Langzeitarbeitsloser“
Jetzt bin ich kein normaler Mensch mehr, dachte Gabriele Niemann an jenem Montag im April. Sie hatte Zahnschmerzen und war zu ihrem Arzt gegangen, den sie schon seit Jahren kannte. Die Sprechstundenhelferin hatte ihre Krankenkassenkarte genommen und sie ins Wartezimmer gebeten. Nach einigen Minuten, berichtet sie, kam der Zahnarzt und sagte: „Nehmen Sie es nicht persönlich, aber Arbeitslose behandele ich nicht. Das gibt beim Abrechnen nur Ärger mit der Arbeitsagentur.“
Gabriele Niemann, 44 Jahre alt, sagte nichts, sondern suchte sich eine andere Praxis. „Warum kann man so tief sinken, obwohl man nichts verbrochen hat?“ Diese Frage stellt sich die alleinerziehende Mutter noch heute. Nach der mittleren Reife absolvierte sie eine Ausbildung zur Erzieherin. Danach arbeitete sie als Sekretärin, später organisierte sie Modenschauen. Entlassen wurde die Münchnerin in ihren insgesamt 26 Berufsjahren nur ein einziges Mal, im Dezember 2008. Zuletzt war sie in einem Kosmetikinstitut fest angestellt, als Ernährungsberaterin. Warum ihr gekündigt wurde, weiß sie nicht genau. „Es hieß, das Geschäft laufe schlecht wegen der Krise“, sagt sie.
Vor 20 Jahren, genau im Dezember, hatte der Japanische Aktienindex Nikkei 25 seinen tollen Rekord mit 38.957 Punkten erreicht. Die Wirtschaft boomte, meinten „Experten“, weil die Leute, die Geld hatten, damit Aktien kauften, Papiere als Abklatsch von Investitionen. Vor einigen Tagen erreichte der Index wieder stolze 10.107 Punkte. Investierte „Vermögen“ hatten sich in Nichts aufgelöst. Papier vermag nichts – außer zu blenden. Von Staatsanleihen redet man zur Zeit nicht – erstaunlich bei Forderungen von rund 49,5 Billionen Dollar.
Das Jahr 2009 geht zu Ende; es war ein tolles Jahr. Eine Krise jagte die andere. Im Januar blähte sich die Finanzkrise zu voller Größe auf, bevor die Medien auf einen baldigen Aufschwung erkannten und abwiegelten. Dabei half ihnen die Schweinegrippe, die im Sommer und Herbst die Augen aller auf sich lenkte, bis sie sich nur als tolles Geschäft einiger Pharma-Riesen auf Kosten der Steuerzahler entpuppte. Einige Geimpfte werden an den Folgen zu leiden haben – doch dafür kommt die Krankenkasse auf. Und dann traf uns wieder die volle Wucht der Polit- und Medien-Show „Klimaerwärmung“. Keiner weiß, warum er sich vor dem, was man früher ein „Klima-Optimum“ nannte, fürchten soll. Zu fürchten wäre eine Abkühlung. Aber alle meinen, die Erde vor einer Erwärmung retten zu müssen. Glaube kann bei entsprechender Arbeit Berge versetzen, aber kaum das Klima. Diejenigen, die uns den Glauben einreden, das Klima schützen zu sollen, wollen damit das retten, was sie selbst in den letzten 20 Jahre verbockt haben: Ihr Vermögen in Geld und Papieren. Unser Vermögen, uns angemessen zu versorgen, wird dabei verspielt.
In diesem Land sind nicht mehr alle klimagläubig. Aber alle glauben, hier nichts mehr ausrichten zu können. „Alle vier Minuten verlässt ein Deutscher sein Land. An jedem Tag verliert Deutschland ein ganzes Dorf, womit die Zahl der Auswanderer Dimensionen erreicht, wie seit 120 Jahren nicht mehr“, konnte man am 11.12. in Handelsblatt.online lesen. Die Fähigen emigrieren. An ihre Stelle holt die EU aus Entwicklungsländern Sozialhilfeempfänger und richtet dafür eigens Anwerbestellen ein. Nur wohin emigrieren? Haben die Emigranten überhört: „Globale Probleme brauchen eine globale Lösung, eine globale Weltregierung ist deshalb notwendig.“ Die regiert dann überall genauso, wie hierzulande.
Als die Zentralbanken auf Staatskosten die Rücklagen im Bankensystem anhoben, glaubten die regierenden Simpel, höhere Rücklagen würden es den Banken ermöglichen, noch mehr zu verleihen und ihre Kredite würden es den Verbrauchern und Unternehmen erlauben, mehr herzustellen und zu konsumieren. Damit wäre die Rezession bald überwunden. Aber je mehr Reserven sie in das Bankensystem pumpten, desto weniger verliehen die Banker. In den letzten beiden Jahren sind die Bankreserven in den USA (wo man leichter an Zahlen kommt), die über das hinausgehen, was man für die Kreditvergabe benötigt, um das 500-Fache über das hinaus gestiegen, was in den letzten 20 Jahren üblich war. Mit ihren Reserven könnten die US-Banken zusätzlich 10 Billionen Dollar Kredit kreieren – nur für wen? Stattdessen verzeichnet die Federal Deposit Insurance Corporation der USA ein Schrumpfen der Bankkredit-Summe wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Im Unterschied zu damals sind die Kaufhäuser und Fabriklager voll, nur die Käufer kaufen nicht. Es fehlt an Geld – nicht an Krediten, davon haben sie mehr, als sie verkraften können.
Die Folge sind Firmenpleiten und Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Pleiten und ihr Kreditvolumen steigen rasant an. Für das Jahr 2009 werden über 160.000 Firmen-Pleiten erwartet. Nach Schätzung des Statistischen Bundesamtes dürften es in Deutschland 34.000 sein, deutlich mehr als die rund 29.000 im Vorjahr. Daran ändert das Aufschwung-Gerede nichts. Im September meldeten die Amtsgerichte 2910 Firmen-Insolvenzen, das waren 17,4% mehr als im Vorjahresmonat (Statistisches Bundesamt vom 08.12.09). Allein für die im September erfassten Pleiten belief sich die ausstehende Kreditsumme auf 42,6 Mrd. €. Im Vorjahresmonat lag sie bei 2,8 Mrd. €. Für den Sprung sorgte die Arcandor-Gruppe (Firmenmotto: “commited to creating value“). Die Zunahme der Pleiten habe sich damit erneut beschleunigt, weiß der VID, der Verband der Insolvenzverwalter: „Was wir jetzt beobachten, ist die Welle von Folgeinsolvenzen bei Zulieferern und Dienstleistern.“ Besonders stark betroffen sind Automobilindustrie (trotz Abwrackprämie), Maschinenbau und Handel. In den ersten drei Quartalen blieben Forderungen auf 75,2 Mrd. € offen, mehr als im ganzen Rekordjahr 2002 mit 61,5 Mrd. €.
DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki forderte die Bundesregierung auf, die Konjunktur-Programme nicht verfrüht zu beenden. Haben die enormen Zahlungen an die Banken etwas gebracht? Es fehlen kreditwürdige Kreditnehmer. Wie will man Umsätze ankurbeln? Etwa mit Klimaschutz-Auflagen: Altbausanierung, teurem Windmühlenstrom, etc.? Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen schnellte im September in die Höhe. Sie lag mit 8.925 Fällen um 7,4% über dem Wert des Vorjahresmonats. In den ersten drei Quartalen 2009 waren es zusammen 74.635; für das Jahr 2009 rechnet das Bundesamt nun mit rund 100.000. Gegenüber 2004 würde sich die Zahl somit verdoppeln. Dabei hatten Gesetzesänderungen mitgeholfen, die die Insolvenzen erleichtert haben.
Deutschland ist Exportland. Deshalb warb man hier für die Globalisierung. Jetzt leidet die deutsche Exportindustrie an der globalen Wirtschaftskrise. Im Oktober wurden laut Statistischem Bundesamt Waren im Wert von 74,6 Mrd. € ausgeführt. Das waren 15,9% weniger als im bereits krisengeschüttelten Vorjahresmonat. Die Einfuhren sanken gleichzeitig um 15,3%, so dass die Außenhandelsbilanz im Oktober trotzdem mit einem Überschuss von 13,6 Mrd. € zur Finanzierung der entsprechenden Defizite anderer EU-Länder abschloss. Das Welthandelsvolumen wird 2009 um über 10% schrumpfen, verkündete Pascal Lamy von der Welthandelsorganisation (WTO) am 7.12 auf dem WTO-Forum in Seoul, ein Rückgang im Welthandel in „noch nie dagewesenem Ausmaß“. Schuld hätten „protektionistische Programme der Nationalwirtschaften”; als wäre die Krise nicht das Ergebnis der Liberalisierung der Weltmärkte für die unproduktive Spekulation mit Papieren.
Und schon beginnt das Spiel von Neuem. Die Geldbesitzer kaufen wieder Papier und die Wirtschaftsexperten sehen darin einen Aufschwung. Am 11.12. erklomm der Dow Jones mit 10.516 Punkten ein neues Jahreshoch. Der Schlussstand lag bei 10.388 Punkten. Der S&P 500 stieg um 1,3 Prozent auf 1.105 Punkte. Auch der Dow Jones Transport Index erreichte ein neues Jahreshoch. Das Geld für die Einkäufe stammt zum Teil aus Firmenauflösungen. Seit Ende 2007 sind nach offiziellen Angaben in der US-Wirtschaft 7,1 Millionen Arbeitsplätze beseitigt worden. Die Medien verkündeten eine Kehrtwende, weil die offizielle Arbeitslosenquote U3 von 10,2% auf 10,0% zurückging. Danach wären in den USA immer noch 15,375 Millionen Menschen arbeitslos. Aber wer glaubt nach all den aufgeflogenen Frisiertricks der letzten Jahre noch offiziellen Zahlen. Die breiter gefasste Arbeitslosenquote U6 liegt offiziell bei 17,2 Prozent. Die tatsächliche dürfte über 20% liegen und mindestens 30 Mio. Menschen betreffen. Die offizielle Beschäftigtenzahl in den USA beträgt 138,5 Mio., die der arbeitsfähigen Bevölkerung im Alter über 16 Jahre 236,7 Mio.
Allein die Derivat-Wetten auf US-Schatzbriefe im Wert von 86 Mrd. $ beliefen sich kürzlich wieder auf 361 Mrd. $; das waren 100 Mrd. mehr als während der Kreditkrise vor einem Jahr. Dahin fließt also das Geld der Neuverschuldung der Staaten. Der IWF rechnet mit einem 50% Anstieg des Verhältnisses zwischen öffentlichen Schulden und Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 2007 und 2014. In den Vereinigten Staaten schätzt der IWF das strukturelle Defizit auf 3,7% des BIP. In Japan und in Großbritannien ist es doppelt so groß. Die USA haben kurzfristige Wechsel im Wert von 2 Billionen Dollar, die in den nächsten 12 Monaten refinanziert werden müssen. Dazu kommt die Refinanzierung etwa einer Billion Dollar in Schatzbriefen und Anleihen. Bei einem erwarteten Haushalts-Defizit von 1,5 sind es 4,5 Billionen Dollar, die allein in den USA finanziert werden müssen. Die USA sind nicht die einzigen, die im Trüben fischen müssen. Japans Staatsverschuldung liegt bei 200% des BIP und steigt weiter. Bislang finanzierten Japaner ihre Defizite selbst. Sie sparten 1980 noch 20% ihres Haushaltseinkommens. Nun werden sie älter und von der Rente spart man nicht mehr, im Gegenteil, man braucht das Ersparte, oder was davon übrig ist, auf.
Wer soll dann japanische Anleihen kaufen, um die Defizite zu decken? Es werden die Gleichen sein, die auch die amerikanischen, die britischen, die deutschen usw. Defizite decken müssen? Nicht die oberen 20% der Bevölkerung, deren Realeinkommen seit 1970 um 60% gestiegen sind, sondern die anderen vier Fünftel, deren Realeinkommen bereits um über 10% gefallen sind. Die meisten Menschen sind während ihr gesamtes Arbeitsleben abgestiegen. Sie haben nicht protestiert, es nicht einmal gemerkt, denn sie hatten Kredit. Doch jetzt ist das Forderungskonto voll, übervoll. Jetzt muss gespart werden – für die Bank? Das hört man ungern. Für Klimaschutz klingt einfach besser. Die Financial Times hat errechnet, dass im nächsten Jahr pro Monat eine Billion Dollar nur für Finanzierungen gebraucht wird. Die Gesamtersparnisse der Vereinigten Staaten belaufen sich auf rund 700 Milliarden Dollar. Die Chinesen könnten ungefähr 67 Tage finanzieren, wenn sie all ihr Geld zusammenkratzen.
Und alle reden vom Klima. Der neue Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) schreibt in Ausgabe 1/2010 von zeo2: „Wir müssen jetzt handeln, nicht irgendwann; eine Alternative zu einem Erfolg gibt es nicht.“ Was meint er damit? Das Gleiche wie sein Chef. Baron David De Mayer Rothschild, der jüngste Sohn von Sir Evelyn de Rothschild, dem britischen Flügel der Bankiersfamilie, sagte kürzlich in einem Interview in Bloomberg News, es sei schwierig eine Weltregierung durchzusetzen, aber der Klimagipfel in Kopenhagen sei ein Weg dahin. In seinem Buch „77 Essential Skills to Stop Climate Changes“ beschreibt er die Einschränkungen, die der kleine Mann auf sich nehmen müsse – natürlich nicht wegen der Forderungen seines Hauses an die Regierungen, sondern nur um das Klima zu schützen. Der UN-Chef Ban Ki-moon in Los Angeles Times vom 16.12.: “Wir werden (in Kopenhagen) eine Global Governance Struktur aufbauen …, um es durchzusetzen” (davon hatte er schon am 26.10. in der New York Times gesprochen) und der neue EU-Präsident Herman Van Rompuy sagte in Kopenhagen, dies sei „der erste Schritt in Richtung eines globalen Managements für unseren Planeten“ http://www.youtube.com/watch?v=Dc0PP6i05xk . Natürlich tönt ein Al Gore ähnlich. Chirac, als er noch französischer Präsident war, hatte schon am 20.11.2000 auf der UNO-Konferenz in den Haag geforderte, das Kioto-Protokoll müsse der erste Baustein einer authentischen Weltregierung sein. War es auch.
Verfasst am:
So 17 Jan, 2010 12:47 Titel: Die Deutschen ahnen das grosse Ausmass der Krise
Die Deutschen ahnen das grosse Ausmass der Krise
Am 7. Januar berichtete die «Financial Times», dass es der Bundesrepublik Deutschland Anfang 2010 nicht mehr gelungen ist, genügend Bieter für ihre Staatsanleihen zu finden.
Am 6. Januar hatte die im Auftrag der Bundesregierung tätige Finanzagentur versucht, während einer Versteigerung von Anleihen aus der Euro-Zone Bundeswertpapiere mit einer Laufzeit von 10 Jahren und im Nennwert von insgesamt 6 Milliarden Euro zu versteigern. Analysten deuten dies so, dass das Vertrauen in die bislang als solide gehandelten deutschen Staatsanleihen nicht mehr uneingeschränkt vorhanden ist. Hinzu kommt ein weltweites Überangebot von Staatsanleihen. 3 Billionen Dollar Schulden für dieses Jahr sollen Investoren finden, dreimal mehr als noch 2008.
Der Mehrheit der Deutschen ist die äusserst angespannte Lage der deutschen Staatsfinanzen durchaus bewusst. Bei der Januar-Umfrage des Instituts infratest im Auftrag von «ARD-Deutschlandtrend» lehnte eine Mehrheit der Befragten – quer durch alle Parteien – Pläne für weitere Steuersenkungen ab (58 %), obwohl zugleich 44 % der Deutschen ihre persönliche Steuerbelastung als zu hoch empfinden. 64 % der Befragten, 8% mehr als bei der letzten Umfrage, äusserten zudem, der schlimmste Teil der Krise stehe noch bevor.
Das grosse Spiel beginnt!
Freddy Quinn - Das grosse Spiel 1974
Das grosse Spiel wird gleich beginnen
Das grosse Spiel, gleich fängt es an
und keiner weiß, wer wird gewinnen
doch jeder hofft und jeder glaubt und denkt daran
Das grosse Spiel.
Und geht auch manches Mal etwas daneben
wir kommen eines Tages doch ans Ziel
ein bißchen Glück gehört dazu im Leben
denn auch das Leben ist ein großes Spiel.
Heut ist ein ganz besonderer Tag
heut muß es uns gelingen
denn schon der nächste Glockenschlag
kann die Entscheidung bringen.
Wie's auch immer kommen mag
das Warten ist vorbei
Für uns ist heut ein großer Tag
denn wir sind mit dabei.
Das grosse Spiel wird gleich beginnen
Das grosse Spiel, gleich fängt es an
und keiner weiß, wer wird gewinnen
doch jeder hofft und jeder glaubt und denkt daran
Das grosse Spiel
Das grosse Spiel.
_________________ Geheuchelter Optimismus ist die perfideste Form der Feigheit
Bevor die zu viel gebackenen Brote verkommen, verbrennt Bäcker Schüren sie und spart damit Energiekosten. Nicht alle sind von diesem Pilotprojekt begeistert.
Schonungslos zermalmt ein trichterförmiges Mahlwerk das mühsam gebackene Brot. Rohre leiten das pulverisierte Backwerk in zwei Brennkessel. Bäcker Roland Schüren hat in Hilden bei Düsseldorf begonnen, sein eigenes Brot zu verfeuern. Damit will er seine Heizkosten halbieren und die Umwelt entlasten. Energieberater Gregor Hinz ist von dem bundesweiten Pilotprojekt begeistert. Vereinzelte Kritik kommt aus Kirchenkreisen.
Neun bis zwölf Tonnen Brot bleiben im Monat unverkauft in den Regalen der 14 Filialen von Bäcker Schüren liegen, weil die tägliche Nachfrage einfach nicht vorauszusehen sei. Bislang ging das alte Brot an die Armen-Tafeln und an Tierfutterhersteller oder es wurde Paniermehl daraus. Künftig soll vor allem weniger Tierfutter anfallen. Die Tafeln für die Bedürftigen werde er wie bisher beliefern, verspricht Schüren.
Energie vor Ort erzeugen - Das pulverisierte Backwerk wird mit Holz-Pellets vermischt ...
Es störe ihn nicht, sein Brot zu verbrennen, sagt der Bäckermeister und Diplom-Betriebswirt. Gestört habe ihn dagegen immer der riesengroße Container voll altem Brot. Nun erzeugt der 43-Jährige direkt vor Ort Energie und senkt gleichzeitig den klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoß um über 90 Prozent.
Während bisher drei große Gasbrenner die zwölf Backöfen heizten, übernehmen das seit dieser Woche zwei eigens entwickelte Biomasse- Brenner mit je 200 Kilowatt-Stunden Leistung. In den Kesseln werden monatlich drei bis vier Tonnen Altbrot zusammen mit Holzpellets verbrannt. Der Heizwert von Brot sei genauso hoch wie der von Holz.
Unabhängig vom Gasmarkt
"Diese Anlage hat mich überzeugt, meine Energiekosten werden durch die Verfeuerung von Altbrot jährlich um die Hälfte gesenkt. Ich bin endlich unabhängig vom Gasmarkt", erklärt der Bäckermeister stolz. Die Energiekosten hätten sich in den vergangenen Jahren zu einem großen Problem entwickelt. Investiert hat der 43-Jährige rund eine Million Euro, in fünf Jahren soll sich das Ganze rechnen.
In den nächsten drei Monaten wird die Anlage noch auf ihre Emissionen getestet. Man erwarte aber keine negativen Werte, sagt Energieberater Hinz. Schließlich wurde die Anlage bereits beim Kesselhersteller und an einer Universität getestet.
Für Einige "skandalös"
Er habe wegen möglicher ethischer Bedenken auch das Gespräch mit der Kirche gesucht, berichtet Schüren. Von dort habe er überwiegend Zustimmung erhalten. Doch es gibt auch Kritiker: Präses Alfred Buß von der evangelischen Kirche Westfalen sieht in der Verbrennung des Grundnahrungsmittels Brot ein fatales Signal. "Es ist das Symbol für das, was ein Mensch zum Leben braucht. Das Verbrennen von Brot ist für die armen Länder des Südens ein skandalöses Zeichen der Ignoranz der Wohlstandsgesellschaften". Auf solche Kritik reagiert Schüren dann doch genervt: "Von mir aus kann jeder vorbeikommen und das Brot nach Afrika bringen."
Verfasst am:
Mo 01 Feb, 2010 18:50 Titel: Zwei Drittel der Deutschen spüren nichts von der Krise
Zwei Drittel der Deutschen spüren nichts von der Krise
Der Großteil der Deutschen fühlt einer Umfrage zufolge nicht von der Wirtschaftskrise betroffen. Zwei Drittel (66 Prozent) der Verbraucher sähen keine Auswirkung der Krise auf ihr Leben, teilte die Kreditauskunftei Schufa am Montag in Wiesbaden mit. Gut ein Viertel der Verbraucher (26 Prozent) fühlt sich demnach teils von der Krise betroffen, sechs Prozent spüren starke Auswirkungen. 39 Prozent der Deutschen gehen der Studie zufolge davon aus, dass sie auch in nächster Zukunft keine Auswirkungen der Krise spüren. 27 Prozent fürchteten allerdings, dass sich ihre Lage künftig ändern könnte.
Die größten Zukunftsängste hätten Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 29 Jahren, teilte die Schufa mit. 33 Prozent von ihnen fürchteten eine Veränderung der persönlichen Lebenssituation durch die Krise. Am wenigsten Angst hätten ältere Menschen über 60, von denen 72 Prozent keine Auswirkungen der Krise spürten. 45 Prozent gingen davon aus, dass dies auch so bleibe, 27 Prozent fürchteten aber Auswirkungen in der Zukunft. Auch Selbstständige seien zuversichtlich. 63 Prozent spürten keine Auswirkungen der Krise. Nur 17 Prozent erwarteten eine Veränderung ihrer Lage in der Zukunft.
Berufstätige fühlten sich durch die Krise grundsätzlich stärker betroffen als Menschen ohne Job, teilte die Schufa mit. Dies gelte besonders für Menschen zwischen 30 und 44, bei denen hohe Ausgaben wie etwa für die Eheschließung, Familiengründung oder den Kauf eines Hauses oder einer Wohnung anstünden. Stark betroffen fühlten sich auch ärmere Menschen mit Haushaltseinkommen von unter 1.500 Euro. Für die Untersuchung befragten die Meinungsforscher des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Schufa 1.849 Menschen.
Verfasst am:
Do 22 Apr, 2010 11:59 Titel: Griechisches Defizit 2009 mit 13,6 Prozent höher
Griechisches Defizit 2009 mit 13,6 Prozent höher
Die prekäre Finanzlage für Griechenland hat sich nach einer jüngsten Prognose von Eurostat weiter verschlechtert. Für das vergangene Jahr wurde mit13,6 Prozent nun ein noch höheres Budgetdefizit vorausgesagt, ursprünglich war von 12,7 Prozent die Rede gewesen. Griechenland muss angesichts der schweren Budgetkrise massive Sparmaßnahmen treffen, die Aktivierung eines Hilfsplans ist wahrscheinlich.
Eurostat meldete auch Vorbehalte zu den von Griechenland gemeldeten Daten an. Begründet wird dies damit, dass es "aufgrund von Unsicherheiten beim Überschuss der Sozialversicherung für das Jahr 2009, der Klassifizierung von einigen öffentlichen Einrichtungen und der Erfassung von off-market Swapgeschäften" einen solchen Vorbehalt gebe. Nach Abschluss der Untersuchungen könnte dies zu einer Revision für das Jahr 2009 in der Größenordnung von 0,3 bis 0,5 Prozentpunkten des BIP für das Defizit führen und von 5 bis 7 Prozentpunkten des BIP für den Schuldenstand.
Was den Schuldenstand Griechenlands betrifft, steigt dieser 2009 auf 115,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder 273 Mrd. Euro an. Athen liegt damit weit über dem von der EU erlaubten Gesamtschuldenstand von 60 Prozent.
Das Defizit im Durchschnitt aller 27 EU-Staaten ist 2009 gegenüber dem Jahr davor um 2,3 auf 6,8 Prozent angestiegen. In der Eurozone gab es eine Erhöhung um 2,0 auf 6,3 Prozent. Das höchste Defizit im Vorjahr wurde laut Eurostat für Irland mit 14,3 Prozent vorausgesagt. Das ist noch höher als die Prognose für Griechenland. Österreich weist eine Neuverschuldung von 3,4 Prozent auf, das ist im EU-Vergleich der 21. Platz. Das vergangene Jahr hat für alle EU-Staaten ein Defizit gebracht. Es gibt keine Überschüsse.
Der Schuldenstand in der EU ist von 61,1 Prozent des BIP 2008 auf 73,6 Prozent 2009 gestiegen und in der Eurozone hat sich der Schuldenstand in diesem Zeitraum von 69,4 auf 78,7 Prozent erhöht.
_________________ Geheuchelter Optimismus ist die perfideste Form der Feigheit
Verfasst am:
Fr 23 Apr, 2010 13:49 Titel: Griechenland stellt Antrag auf Hilfe: Neue Odyssee
Griechenland stellt Antrag auf Hilfe: "Neue Odyssee"
Mit den Worten "es ist zwingend, dass wir um die Aktivierung des Rettungsmechanismus bitten" bat Premierminister Papandreou um Hilfe für Griechenland.
Griechenland bittet um Finanzhilfen der EU-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF). Das teilte Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Freitag mit. "Es ist zwingend, dass wir um die Aktivierung des Rettungsmechanismus bitten",fügte der Regierungschef in einer Fernsehansprache hinzu. Er habe dem Finanzministerium die Anweisung gegeben, finanzielle Hilfe von Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU zu beantragen.
Papandreous Rede war sehr emotional. Die Griechen erwarte eine "neue Odyssee" meinte er. "Wir kennen aber den Weg nach Ithaka", fügte Papandreou hinzu. Zur Erklärung meinte Papandreou, dass die Hoffnung, die internationalen Märke würden positiv auf das griechische Sparprogramm und die Hilfeplan der EU reagieren, habe sich nicht bewahrheitet. Griechenland laufe Gefahr, dass wegen der Spekulanten alle Sparanstrengungen zunichte gemacht werden. Aus diesem Grund sei Athen gezwungen, jetzt schon zu handeln.
Höheres Defizit
Am Vortag war bekannt geworden, dass die Finanzlage Griechenlands noch prekärer ist als bisher bekannt. Im vergangenen Jahr belief sich das Budgetdefizit laut auf 13,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Schuldenberg wuchs auf 273 Milliarden Euro - das entsprach 115 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und lag weit über dem von der EU erlaubten Gesamtschuldenstand von 60 Prozent.
Die Euro-Länder stellten Kredite von bis zu 30 Milliarden Euro in Aussicht. Die EU bestätigte den Antrag Athens. Währungskommissar Olli Rehn sagte: "Das läuft jetzt alles automatisch ab." Der IWF steuert 15 Milliarden Euro bei.
Finanzminister Giorgos Papakonstantinou wird demnächst nach Washington aufbrechen, um sich dort am Samstag mit IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn zu beraten.
_________________ Geheuchelter Optimismus ist die perfideste Form der Feigheit
Bimmelbahn Registrierte
Anmeldedatum: 04.10.2009
Beiträge: 76
Verfasst am:
Fr 23 Apr, 2010 15:17 Titel:
Was soll ich eigentlich noch alles schultern?
Erst haben die Ossis ihre Monopolygeld umgetauscht bekommen.
Seit über 20 Jahren zahle ich den Ossis Rente.
Dann kamen die Banker.
Und jetzt soll ich von meinen Steuern auch noch die Fakelaki Griechen bezahlen???????????
Wie in der Ouzo Werbung: "Für meine besten Freunde!"
Verfasst am:
Do 06 Mai, 2010 23:43 Titel: Argentinien warnt Griechenland vor sozialer Explosion
Argentinien warnt Griechenland vor sozialer Explosion
"Das wird böse enden", prophezeit die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner für die drastischen Sparmaßnahmen in Griechenland. Denn es würden "die selben Rezepte aufgezwungen" wie Argentinien 2001.
Die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner hat Griechenland vor den Folgen drakonischer Sparmaßnahmen gewarnt: "Das wird böse enden", prophezeite sie am Donnerstag in Buenos Aires. Griechenland würden nun "die selben Rezepte aufgezwungen" wie 2001 Argentinien, betonte die peronistische Politikerin.
Ende 2001 war es angesichts der Überschuldung des südamerikanischen Landes, eingefrorener Konten und unpopulärer Sparmaßnahmen der Regierung zu einer sozialen Explosion gekommen. Kirchner und ihr Vorgänger im Amt und Ehemann, Néstor Kirchner, machen vor allem Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Krise von 2001 verantwortlich.
Bei Unruhen starben damals mindestens 28 Menschen. Die Regierung von Präsident Fernando de la Rua stürzte. Anschließend wurde die Dollarbindung des Peso aufgegeben, die Bedienung der Auslandsschulden eingestellt und die Landeswährung stark abgewertet. Während die neue Regierung Ratschläge des IWF und anderer Wirtschafts- und Finanzexperten in den Wind schlug, erholte sich die Wirtschaft des Landes nach einer Phase politischer Instabilität ab 2003 erstaunlich schnell.
Verfasst am:
So 16 Mai, 2010 09:55 Titel: Es ist soweit: Illinois zahlt nicht mehr
Es ist soweit: Illinois zahlt nicht mehr
In der Vergangenheit haben wir des Öfteren über die sich zuspitzende Finanzlage des US-Bundesstaats Illinois berichtet. So wie es momentan aussieht, haben die meisten staatlichen Stellen ihre Zahlungen auf seit Monaten ausstehende Rechnungen eingestellt. Viele Lieferanten und Dienstleister sind dadurch bereits in den Bankrott geschlittert. Viele Lieferanten wollen jetzt Vorkasse sehen, was mitunter auch dazu führt, dass der Gefängnisbehörde weder Munition noch weiteres benötigtes Material angeliefert wird. Andere Dienstleister schließen sich an, denn es sieht so aus, als würde mit Illinois tatsächlich der erste Bundesstaat vor einem Bankrott stehen.
Die Gesetzgeber des US-Bundesstaats Illinois zeigten sich in den letzten zwei Wochen heillos zerstritten über die Frage, welche erforderlichen Maßnahmen schon sehr bald zu beschließen sein werden, um das sich auf $13 Milliarden belaufende Budgetdefizit auch nur annähernd zu schließen, das bereits die Hälfte der jährlichen Einnahmen der Lokalregierung ausmacht. Der Bundesstaat blickt einer der schlimmsten Budgetkrisen auf nationaler Ebene entgegen, die sich teilweise aus dem Überspringen des ökonomischen Absturzes der Gesamtwirtschaft der USA auf Illinois ableiten lässt. Das derzeitige Anleiherating von Illinois ist nur noch um einen Tick besser als dasjenige von Kalifornien. Die Konfusion unter den Parlamentariern indiziert, dass ernsthafte Schritte, um die Finanzen des Bundesstaats in Ordnung zu bringen, wahrscheinlich weiterhin nicht unternommen werden, bis die Zwischenwahlen zum Kongress im November vorbei sein werden – wenn überhaupt.
Diese Krise wird hart, richtig hart. Wer schon Probleme mit einem unmoralischen Schreibstil hat, der wird die Krise nicht überleben. Denn da darf man sich darauf einstellen, dass für eine Dose Bohnen jemand zu Tode geprügelt wird. Wer das nicht glauben will, sollte sich mal den Stummfilm "Freudlose Gasse" ansehen.
Für mich die beeindruckenste Szene: Die Leute stehen stundenlang beim Metzger an. Dann macht er endlich auf. Nach kurzer Zeit verjagt er die Kunden, da er angeblich kein Fleisch mehr hat. Eine hübsche Frau bleibt und hofft, dass sie doch noch was kriegt. Der Metzger bietet ihr an: Fick gegen Fleisch. Die Frau lässt es geschehen. Nach dem Fick setzt es Schläge, da es "der schlechteste Fick aller Zeiten war," deswegen bekommt die Frau nur das halbe Fleisch. Und die Frau akzeptiert. Dies hat sich Regisseur Papst nicht aus den Fingern gesaugt - das war Realität und wird so und noch schlimmer kommen. Wer das nicht erleben will, sollte sich schon jetzt ein Seil zum Aufhängen kaufen! In einer solchen Krise wird man nicht gepampert werden!
Es ist auch ein wenig seltsam, dass Stummfilme, die früher Millionen ins Kino zogen, von Seiten der Medien, z.B. vom Fernsehen, immer noch totgeschwiegen werden.
Handlung
In der von Armut geprägten Melchiorgasse im Wien des Jahres 1921 gibt es neben verarmten Bürgern und Lumpenproletariat nur zwei wohlhabende Menschen: Den Fleischer Josef Geiringer und Frau Greifer, die einen Modesalon mit angeschlossenem Nachtklub betreibt. In diesen Nachtklub zieht es die wohlhabenden Bürger Wiens. An den Nachtklub angegliedert ist das Stundenhotel „Merkl“, in dem u.a. Frauen ihren bei Frau Greifer aufgenommenen Kredit mit sexuellen Dienstleistungen abbezahlen.
Während sich die einen durch einen Aktienbetrug bereichern, fallen andere dadurch in die Armut. Derweil geschieht ein Mord, von dem schrittweise deutlicher wird, dass er von einer jungen Frau aus Eifersucht verübt wurde.
Am Ende des Films tötet Else aus Verzweiflung den Fleischer, da dieser ihr kein Fleisch geben will, und die armen Einwohner der Straße wenden sich gegen die Reichen, nachdem sie Geräusche aus dem Nachtklub hören, und beginnen, mit Steinen zu werfen. Dabei entzündet sich das Gebäude, und ein bettelarmes Paar stirbt in den Flammen. Hoffnung, aus der Melchiorgasse jemals herauszukommen, besteht am Ende nur für Grete Rumfort, die von einem amerikanischen Rot-Kreuz-Offizier Aussicht auf ein besseres Leben erhält.
Georg Wilhelm Pabsts Stummfilm über Klassengegensätze, Elend, Luxus und Gier im Wien der frühen 1920er Jahre gehört zu den Klassikern der Filmgeschichte, ist aber auch einer der von der Zensur am meisten verstümmelten Filme. Die «Edition Filmmuseum», DAS Label für anspruchsvollste DVD-Editionen im deutschsprachigen Raum, hat Pabsts Meisterwerk in einer sorgfältig restaurierten Fassung und ergänzt mit einer Fülle von Zusatzmaterial herausgebracht.
Mit 110 Minuten gibt Buchers Filmlexikon die Länge von Georg Wilhelm Pabsts 1925 entstandenem Meisterwerk an, 120 Minuten nennen Reclams Filmklassiker. Die im Filmmuseum München zwischen 1995 und 1998 rekonstruierte Fassung ist 150 Minuten lang – und damit immer noch etwa 30 Minuten kürzer als das Original.
Immer wieder und ganz unterschiedlich wurde «Die freudlose Gasse» in Deutschland, Frankreich, England, den USA oder der Sowjetunion zensuriert. Je weiter die Inflation der frühen 1920er Jahre in die Ferne rückte, desto mehr kürzte man beispielsweise in Deutschland die Schilderung dieser fürchterlichen Zeit, während man in der Sowjetunion nicht von Pabst gedrehte Szenen ergänzte, um ein plastischeres Bild vom kapitalistischen Börsengeschehen zu vermitteln.
Nächstes Thema anzeigen Vorheriges Thema anzeigen
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.